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Atemschutz

Atemschutz ist einer der wichtigsten Teilaspekte des Feuerwehrwesens und stellt quasi die Königsdisziplin der Brandbekämpfung dar. Die meisten Gebäudebrände erfordern einen sogenannten Innenangriff, welcher ohne Atemschutz unmöglich wäre. Aber auch bei PKW-Bränden wird von uns aufgrund des hochgiftigen Brandrauches standardmäßig Atemschutz eingesetzt. Die Zeiten, in denen Brände grundsätzlich von außen bekämpft wurden und so lange 'gegossen' wurde, bis alles entweder niedergebrannt und eingestürzt, oder aber durch das Löschwasser vernichtet war, sind lange vorbei!

Es wird beim Innenangriff immer in Dreier-Trupps vorgegangen, was der eigenen Sicherheit dient: Bei Ausfall einer Person im Trupp, z.B. durch Kreislaufkollaps aufgrund der Anstrengungen, haben die verbleidenden zwei Truppmitglieder eine gute Chance, ihren Kameraden selbst zu retten, ohne auf einen Rettungstrupp von außen angewiesen zu sein. Ein solcher muss allerdings zur Sicherheit in Bereitschaft stehen oder zumindest unterwegs sein.

Aufgrund der großen Bedeutung des Atemschutzes ist es für jedes Feuerwehrmitglied, das auch die körperlichen Eignungen mitbringt, quasi Pflicht, nach der Grundausbildung den Atemschutzgeräteträgerlehrgang (jetz neu: Modul Atemschutzgeräteträger) zu absolvieren. Vorher erfolgt eine eingehende Tauglichkeitsuntersuchung, und alle 3 Jahre ist eine Kontrolluntersuchung vorgeschrieben, um die Risiken zu minimieren. Bis zum einsatztauglichen Atemschutzgeräteträger ist es nach dem Lehrgang allerdings noch ein weiter Weg. Im Team der eigenen Feuerwehr müssen diverse Handgriffe und Taktiken erlernt werden, vom Ausrüsten während der Fahrt bis zu diversen Drills für das Vorgehen in Trupps, wie Seitkriechgang, Öffnung 'heißer' Türen, Strahlrohrführertraining, Selbst- und Fremdrettung usw.!

Innenangriff: HD Adé!

Wärhend es früher Gang und Gebe war, bei Innenangriffen mit der Hochdruck-Schnellangriffseinrichtung vorzugehen, so hat sich in den letzten Jahren auf diesem Gebiet doch einiges geändert. Früher gab es keine modernen Hohlstrahlrohre mit variablem Strahlbild und Durchflussleistung. Die alten C-Mehrzweckstrahlrohre waren für Innenangriffe, wo man das Löschwasser stoßweise und möglichst sparsam abgeben muss, um nicht unnötig viel Wasserdampf zu produzieren, denkbar schlecht geeignet, und die hierzulande gebräuchlichen C-Druckschläuche mit 52mm Durchmesser machten die Löschleitungen schwer und unhandlich. Somit war der 'HD' jahrzehntelang das Mittel der Wahl - besonders in Niederösterreich.

Heutzutage gibt es allerdings auf diesem Gebiet Alternativen in Form von Hohlstrahlrohren und C-42 - Druckschläuchen. Durch den geringeren Schlauchdurchmesser wird die Löschleitung biegsamer und ihr Gewicht verringert sich um ca. ein 1/3. Der Reibungswiderstand steigt natürlich im Vergleich zum C-52, ist aber kein Vergleich zu dem des HD. Somit werden für den Innenangriff immer noch mit Leichtigkeit ausreichende Durchflussmenge und Druck am Rohr erreicht. Konische Kupplungen  (ICONOS) verhindern ein Hängenbleiben der Leitung an Stufen und Kanten.

Wie seriöse Vergleichstests, in Fachmagazinen sowie z.B. auf der Homepage der FF Krems zu finden, zeigen, hat man mit dem HD-Schnellangriff nur bei kurzen Entfernungen zum Brandobjekt geringe Zeitvorteile. Sobald es aber beim Innenagriff um 1, 2 oder mehr Ecken geht - davon kann jeder Atemschutzgeräteträger ein Lied singen - und von Stiegenhäusern natürlich ganz zu schweigen - ist man mit der 'Gummiwurst' klar im Nachteil, da sie an jeder Ecke hängen bleibt. Je länger die Leitung und je mehr Treppen und Ecken zu überwinden sind, desto klarer die Vorteile des C-Angriffs. Werden Schlauchtragekörbe und Schlauchpaket verwendet, lässt sich die noch steigern. Dazu kommt der weit geringere Wasserverbrauch und die besseren Einsatzmöglichkeiten des verstellbaren Sprühbildes moderner Hohlstrahlrohre.

Weiters ist zu bedenken, dass es z.B. bei der BF Wien nie eine HD-Schnellangriffseinrichtung gab - im städtischen Bereich wäre sie für Innenangriffe völlig unbrauchbar - außer es brennt der erste Raum im Erdgeschoß, und man parkt wenige Meter davor. Und sowohl in Wien, als auch in Deutschland verwendet man außerdem  nur C-42!

Somit stellten wir vor einigen Jahren unsere Einsatztaktik um und setzen im Innenangriff auf C-42 statt HD. Zu diesem Zweck wurden die alten HD-Faltschläuche zum Verlängern durch 4 C-42 mit je 20m Länge ersetzt, sowie ein zweites Hohlstrahlrohr für unser RLF angeschafft.

Ausrüstung der Trupps, Vorgehensweise

Grundsätzlich verwenden wir bei jedem Innenangriff Flammschutzhauben und Feuerwehrgurte, zur Selbstrettung aus Höhen und Tiefen wird bei Bedarf eine Rettungsleine im Beutel mitgenommen. Weiters verfügen mittlerweile alle unsere Feuerwehrhelme über eine ex-geschützte Helmlampe, sodass auf die starken, aber unhandlichen Handscheinwerfer je nach Lage verzichtet werden kann - besonders beim Vornehmen von Löschleitungen sind sie meist nur  hinderlich, bei Vorgehen ohne Löschleitung wie z.B. beim Durchsuchen von Objekten hingegen sehr wohl sinnvoll. Bei Menschenrettung wird weiters ein Tragetuch in einer Umhängetasche mitgenommen.

Der Truppführer nimmt ein Handfunkgerät sowie eine Feuerwehraxt mit, die er zum Tasten, Türen öffnen usw. verwendet, und ggf. auch einen Handscheiwerfer. Weiters verfügt sein Atemschutzgerät über eine an der Bebänderung montierte Tasche mit einigen kleinen, aber feinen Hilfsmitteln - Holzkeile zum Offen halten von Türen (damit sich der Schlauch nicht verklemmt und der Trupp wieder zurück muss - jeder Atemschutzgeräteträger kennt das...), Markierungsbänder und Ölkreide zum Kennzeichnen durchsuchter Räume (z.B. Hotel, Schule), Bandschlinge (zum Türen öffnen, zur Selbst- und Fremdrettung).

Somit ist klar, dass der Truppführer nicht Strahlrohrführer sein kann  - wie soll er  die Lage beobachten und nach Gefahren Ausschau halten, den 3er -Trupp überwachen, funken, Feuerwehraxt und Strahlrohr gleichzeitig halten, und dazu noch löschen? Somit ist der zweite Mann im Trupp der Rohrführer, was sich als weit praktikabler erwiesen hat.

Wird keine Löschleitung vorgenommen, so wird eine Rückwegsicherung mittels Arbeitsleine erstellt.

Atemschutzüberwachung

Ein wichtiger Punkt bei Atemschutzeinsätzen ist die Atemschutzüberwachung. Jeder Gruppenkommandant hat die Einmarschzeit seines Atemschutztrupps schriftlich festzuhalten. Sollte der Kontakt zu einem Trupp verloren gehen und dieser nicht nach gebotener Zeit zurückkommen, so kann ein Rettungstrupp losgeschickt werden, bevor die Luft knapp wird. Werden mehrere Trupps über denselben Angriffsweg losgeschickt, wie z.B. in unserem Einsatzbereich beim Durchsuchen des Hotels an der Autobahnraststation, ist es zweckmäßig, einen GKDT nur für die Atemschutzüberwachung einzuteilen.

Atemschutzsammelplatz

Bei größeren Atemschutzeinsätzen wird meist ein Atemschutzsammelplatz eingerichtet, an dem sich die vorhandenen Trupps inkl. Reserveausrüstung sammeln und auch wieder regenerieren können.  Der Flüssigkeitsverlust ist bei anstrengenden Atemschutzeinsätzen nicht zu unterschätzen. In solchen Fällen wird dies meist durch die FF Bruck/L. durchgeführt, welche über ein Schadstofffahrzeug mit Atemluftkompressor verfügt, sodass auch die Flaschen gleich vor Ort wiederbefüllt werden können. Wir entsenden auch jährlich einige Kameraden nach Bruck zur vorgeschriebenen Füllberechtigungsschulung für den Kompressor, sodass wir unsere Atemluftflaschen auch selbständig füllen dürfen, was vor Allem im normalen Dienstbetrieb eine beiderseitige Erleichterung darstellt.

Inside Fire Attack:

Bevor Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden können, sollten sie eine sogen. 'Heißausbildung' absolviert haben, wie z.B. im Brandhaus an der Nö. Landesfeuerwehrschule inTulln oder - in etwas abgeschwächter Form, aber dennoch nützlich - in einem mobilen Brandsimulator, wie hier im Jahr 2009 in Bruck, wo wir 4 Atemschutztrupps trainieren ließen:

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